Homestory

FARBE, FORM UND FLORIDA

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Direkt am Haus angelegt, fügt sich der Pool harmonisch in das Ensemble aus Architektur und Garten ein.

Ein leuchtend gelber Sonnenschirm von Jonathan Adler setzt einen markanten Akzent im dichten Grün des Gartens.

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Ein Haus als Bühne für Farbe, Persönlichkeit und Stil: In Palm Beach haben Jonathan Adler und Simon Doonan einen Ort geschaffen, der Konventionen spielerisch hinter sich lässt und Design humorvoll in Szene setzt.

Manchmal entscheidet der Zufall über einen neuen Lebensmittelpunkt. Der US-amerikanische Designer und Keramiker Jonathan Adler spricht rückblickend von einer Art Schicksalsmoment. Gemeinsam mit seinem Ehemann, dem britischen Autor und Kurator Simon Doonan, spazierte er vor einigen Jahren durch eine ruhige, von Palmen gesäumte Straße in Palm Beach, als ein Haus die Aufmerksamkeit der beiden auf sich zog. Es stand nicht zum Verkauf – doch die beiden sprachen den Eigentümer spontan an und sagten ihm, es sei eines der schönsten Häuser, das sie je gesehen hätten.

Einige Zeit später entdeckten sie genau dieses Anwesen in einem Immobilieninserat. „Wir haben noch am selben Tag angerufen, den vollen Preis geboten – und heute ist es unser Zuhause.“

Palm Beach als Lebensgefühl
Seit mehr als 25 Jahren kehren Adler und Doonan immer wieder nach Palm Beach zurück. „Palm Beach ist ein ganz besonderer Ort“, sagt Adler. „Es ist wie ein Rorschachtest – jeder erkennt etwas anderes darin.“

Für ihn ist es ein Ort „harmonischer Opulenz“. Eine Szene, die er beiläufig schildert, bringt diese Atmosphäre auf den Punkt: ein champagnerfarbenes Rolls-Royce-Cabriolet, auf dessen Rücksitz ein geschniegelter Pudel thront. „Das ist hier ganz normal.“

Schließlich trennten sich beide von ihrem Apartment in Manhattan und entschieden sich bewusst für einen neuen Lebensmittelpunkt in Florida – in einem Haus mit architektonischer Geschichte.

Architektur mit mediterranem Echo
Das Anwesen aus den 1940er-Jahren wurde von dem schweizerischstämmigen Architekten Maurice Fatio entworfen, dessen Handschrift mediterrane und karibische Einflüsse mit der klaren Linienführung der Mid-Century-Moderne verbindet.

Adler fühlt sich hierdurch an die Arbeiten des Designers Oliver Messel erinnert, zugleich schätzt das Paar die besondere Maßstäblichkeit des Hauses: repräsentativ, ohne monumental zu wirken. Ein eher kompakter Baukörper trifft auf einen großzügig angelegten Garten.

„In Palm Beach sind viele Häuser ausgesprochen palastartig“, sagt Doonan. „Mir gefiel, dass dieses hier eher klein und charmant ist. Ich selbst bin schließlich auch eher klein.“

Und er genießt zugleich die Leichtigkeit des Alltags: „Ich kann überall mit dem Fahrrad hinfahren – zur Post, zur Apotheke, zum Strand. Manchmal komme ich mir vor wie Miss Marple – in der Version von Margaret Rutherford.“

Der Garten als Inszenierung
Da das Haus bereits renoviert war, richtete sich die gestalterische Energie auf Garten und Interieur. Ein Pool und großzügige Terrassen ergänzen nun die Anlage.

Inspiration bot eine ikonische Fotografie von Slim Aarons, die eine Poolgesellschaft im legendären Kaufmann Desert House in Palm Springs zeigt.

Adler interpretierte das historische Motiv neu und setzte mit einem gelben Sonnenschirm einen gezielten Akzent. Die Bepflanzung beschreibt er augenzwinkernd als „Sissinghurst in Florida“ – englische Gartenkultur übersetzt in subtropisches Licht.

Farbdramaturgie mit Präzision
Im Inneren entfaltet sich eine sorgfältig abgestimmte Farbwelt. „Wir wollten leuchtende, strahlende Töne“, erklärt Adler. „Palm Beach ist wunderschön und auch heiter – das Haus durfte also durchaus eine gewisse eklektische Energie ausstrahlen.“

Während der Planungsphase arbeitete Doonan an einem Buch über Lou Reed – ein Hauch Glam Rock schwingt seither in Details und Farbentscheidungen mit.

Der Wintergarten präsentiert sich in hellem Tiffany-Blau, ergänzt durch grafische Muster und Rattan-Sessel. Vorhänge gibt es bewusst nicht; stattdessen sorgen Jalousien für Zurückhaltung und Privatsphäre. Die Räume bleiben lichtdurchflutet und sommerlich.

Räume im harmonischen Zusammenspiel
Angesichts der überschaubaren Größe des Hauses (ca. 172 m² Wohnfläche) war es entscheidend, wie die einzelnen Bereiche farblich harmonieren. Das Blau des Wintergartens korrespondiert mit dem Mintgrün des Wohnzimmers und der zentralen Bibliothek, die bei Einladungen zugleich als Speisezimmer dient.

Küche und Frühstücksbereich erhielten ein sattes Oxford-Blau. Eine Ecke richtete Adler als „Carnaby Corner“ ein – mit gerahmten englischen Teetüchern und subtilen britischen Referenzen, die Doonans Herkunft würdigen.

Ein privater Rückzugsort
Besonders schätzt Doonan das fliederfarbene Hauptschlafzimmer mit angrenzendem Bad und Balkon zur Poolterrasse. Die Atmosphäre beschreibt er als „sehr entspannt, fast genussvoll“.

Im Badezimmer steht eine keramische Skulptur von Bjørn Wiinblad – einem jener Gestalter, die Adler seit jeher inspirieren.

„Ich denke oft an Wiinblad, Bonnie Cashin und Alexander Girard“, sagt er. „Das waren Designer, die kompromisslos ihren eigenen Weg gegangen sind.“

Die optimistische Moderne der Fünfziger- und Sechzigerjahre wirkt in seinem Werk nach – jedoch stets neu interpretiert.

Zwei Küsten, ein Stilgefühl
Heute teilen Adler und Doonan ihre Zeit zwischen Palm Beach und Shelter Island bei New York auf. Zwei Küsten, zwei unterschiedliche Atmosphären – beide Ausdruck eines Lebens zwischen Kreativität und Rückzug.

Für Doonan ist das Ergebnis eindeutig: „Jonathan hat hier Großartiges geschaffen – eine farbige, eigenwillige Oase. Und Palm Beach selbst ist ja ohnehin nicht arm an exzentrischer Farbigkeit.“

Ein Haus, das historische Architektur, persönliche Handschrift und die besondere Energie Floridas verbindet – souverän, kultiviert und mit jener leisen Selbstverständlichkeit, die wahre Individualität auszeichnet.