ELEGANZ HINTER HISTORISCHEN MAUERN
FAMILIENDOMIZIL IN PARIS
Im 9. Arrondissement von Paris, verborgen hinter eleganten Fassaden, liegt eine architektonische Rarität. Hier hat sich die renommierte Fotohistorikerin Emmanuelle de l’Ecotais gemeinsam mit ihrem Mann und den vier Kindern ein Zuhause erschaffen, das Kunst, Architektur und Familienleben auf besondere Weise vereint.
Ein Bauwerk aus dem frühen 19. Jahrhundert bildet die eindrucksvolle Kulisse für ein außergewöhnliches Domizil: Art-déco-Architektur mit Bögen, Stuck und majestätischen Gewölben trifft hier auf zeitgenössisches Design und eine lebendige Familienatmosphäre. Entworfen von Jean-François Chalgrin, dem Architekten des Arc de Triomphe, verbirgt sich das Anwesen hinter einer gepflasterten Einfahrt – als Oase, die den Charme vergangener Zeiten bewahrt und zugleich den Puls der Gegenwart spüren lässt.
Fotografie im Mittelpunkt
„Fotografie war immer meine große Leidenschaft“, erzählt Emmanuelle, die 2020 das Pariser Fotofestival Photo Days ins Leben gerufen und mehrere Jahre die fotografische Sammlung des Musée d’Art Moderne geleitet hat. Schon als Studentin der Kunstgeschichte durchstreifte sie Flohmärkte und Messen auf der Suche nach besonderen Stücken. Später betreute sie im Centre Pompidou mehrere Jahre lang das Archiv von Man Ray – ein Künstler, der sie bis heute prägt. Einige seiner Werke hängen nun in ihrem Pariser Zuhause, neben Fotografien von Elger Esser, Pierre Gonnord oder Valérie Belin.
Raum für Überraschungen
Das Interieur sollte diesem künstlerischen Erbe Raum geben. Beauftragt wurde die französische Architektin Marie Deroudilhe, bekannt für ihre klare, zeitlose Handschrift. Sie restaurierte die historischen Elemente, erhielt den polierten Betonboden, ließ Decken und Wände in mattes Weiß tauchen und öffnete die Räume für neues Licht.
Der eigentliche Zauber liegt in der Raumdramaturgie. Deroudilhe verlegte den Eingang unter die sechs Meter hohen Gewölbe des Kutschenportikus. Dahinter öffnet sich ein Korridor, der in den großzügigen Wohn- und Essbereich führt – beide liegen im Innenhof unter einem gläsernen Dach. So entstand ein „Zimmer unter freiem Himmel“: ohne klassische Fenster, dafür mit imposanten Landschaftsfotografien an den Wänden, die die Natur ins Haus holen. „Es sollte ein Ort werden, an dem Kunst und Alltag miteinander verschmelzen“, sagt die Hausherrin. Tatsächlich wirkt der Wohnbereich wie eine Galerie – und doch wie ein gemütliches Familienwohnzimmer.
Mut und Balance
Beim Mobiliar setzt Emmanuelle auf eine Mischung aus Klassikern und ikonischen Designstücken. Auf einem monumentalen Teppich von Michel Boyer steht der orangefarbene Mushroom Chair von Pierre Paulin, flankiert von Sesseln aus den 1960er-Jahren. Dazu gesellen sich ein neutrales Sofa von Cassina, der legendäre Couchtisch von Pierre Chapo und die filigrane Arco-Lampe der Brüder Castiglioni.
Auch im Essbereich dominieren spannende Kontraste – mit einem eigens entworfenen Tisch im XXL-Format und eleganten Stühlen von Patrick Jouin, flankiert von einem Regal aus Messing und Stahl. An den Wänden hängen Fotografien von Elger Esser und Keramiken von Picasso. „Es ist dieser Dialog zwischen Gegensätzen, der mich begeistert“, erklärt Emmanuelle.
Rückzugsorte voller Charakter
Auf rund 300 Quadratmetern entfaltet sich das Haus über mehrere Ebenen. Im Untergeschoss: Spa, Fitnessraum und ein privates Kino. Im Obergeschoss: die privaten Räume der Familie. Das Hauptschlafzimmer blickt auf den Garten, das Bad ist in bläulich schimmernden Marmor gehüllt. Über eine Treppe gelangt man ins Mezzanin, wo sich ein minimalistischer Kleiderschrank und ein Atelier befinden – ausgestattet mit Entwürfen von Philippe Starck und Patrick Jouin.
Der Garten selbst ist ein Ruhepol – mit antiken Möbeln, provenzalischen Vasen und einer Atmosphäre, die an südfranzösische Sommer erinnert. Hier genießt die Familie sonnige Nachmittage ebenso wie gesellige Abende mit Freunden.
Ein Zuhause, das inspiriert
Trotz all der Kunst und Designikonen bleibt das Haus vor allem eines: ein lebendiges Familienheim. Kinderlachen mischt sich mit der Stille des Ateliers, und zwischen Originalwerken von Man Ray oder Ansel Adams findet das Alltägliche genauso seinen Platz wie das Außergewöhnliche.
„Kunst ist kein museales Objekt, sie gehört zum Leben“, sagt Emmanuelle. Ihr Pariser Zuhause ist der beste Beweis dafür: ein Ort, der Geschichte und Moderne verbindet, voller Inspiration, Wärme und Esprit.




